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Kaum etwas anderes kann uns so sehr
inspirieren, wie Geschichten. Hier eine Auswahl kleiner Perlen.
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Schaukelpferd und
Plüschhase
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von Margery Williams
Das Schaukelpferd sagt zum Plüschhasen: "Bevor
du Leben in dir hast, musst du wirklich
werden."
"Was heißt wirklich?" fragte das
Plüschkaninchen, "heißt es, dass du so ein
Brummen im Bauch hast und eine Kurbel zum
aufziehen aus dir rausguckt?"
"Wirklich ist nicht so wie du gemacht bist",
sagte das Schaukelpferd, "sondern etwas, das mit
dir passiert. Wenn ein Kind dich lange Zeit
liebt, wenn du nicht nur zum spielen da bist,
sondern wenn es dich tatsächlich liebt, dann
wirst du wirklich."
"Tut das weh?" fragte das Kaninchen.
"Manchmal ja", sagte das Schaukelpferd, denn es
sagte immer die Wahrheit. "Aber wenn du wirklich
bist, dann macht es dir nichts aus, dass es weh
tut."
"Passiert es auf einmal, so wie wenn man
aufgezogen wird", fragte es, "oder immer nur ein
bisschen?"
"Es passiert nicht auf einmal", sagte das
Schaukelpferd, "wirklich wirst du nur langsam,
es dauert ziemlich lange. Deshalb passiert es
nicht oft Leuten, die leicht kaputtgehen oder
die scharfe Kanten haben oder die man sorgsam
aufheben muss. Im allgemeinen ist zu der Zeit,
wenn du wirklich geworden bist, das meiste von
deinem Fell schon weggeliebt, die Augen fallen
dir raus, deine Gelenke sind lose und du bist
schon ein bisschen schäbig. Aber all das ist
unwichtig, denn wenn du erst einmal wirklich
bist, kannst du nicht mehr hässlich sein, außer
für Menschen, die nichts kapieren...
Wenn du erst einmal wirklich bist, kannst du
nicht mehr unwirklich werden. Es ist für immer."
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Das
Wunder |
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Tess
war eine zauberhafte Achtjährige als sie ihre
Mutter und Vater über ihren kleinen Bruder
Andrew sprechen hörte.
Alles was sie wusste war, dass er sehr krank war
und dass sie überhaupt kein Geld mehr besaßen.
Nächsten Monat sollten sie in eine Etagenwohnung
ziehen, denn Daddy hatte nicht das Geld für die
Arztrechnungen und das Haus. Nur eine sehr teure
Operation könnte ihn noch retten, und es schien
niemanden zu geben, der ihnen das Geld leihen
würde.
Sie hörte, wie ihr Daddy ihrer
tränenüberströmten Mutter mit hoffnungsloser
Stimme sagte: ´Nur ein Wunder kann ihn noch
retten.´
Tess ging in ihr Zimmer und zog ein gläsernes
Marmeladenglas aus dem Versteck im Wandschrank.
Sie schüttete all das Kleingeld auf den Fußboden
und zählte es sorgfältig - gleich drei Mal. Die
gesamte Summe musste genau die richtige sein.
Irrtum war vollkommen ausgeschlossen.
Sorgfältig steckte sie die Münzen zurück in das
Glas, drehte den Deckel darauf und schlüpfte aus
der Hintertür hinaus. Sie ging an sechs
Häuserblöcken entlang bis zu Rexall´s Drug Store
mit dem großen roten Indianerhäuptling auf dem
Schild oberhalb der Tür. Sie ging zur Abteilung
mit dem Apotheker im hinteren Teil des Ladens.
Geduldig wartete sie, dass er sie
bemerkte, aber er hatte gerade zu viel zu tun.
Tess machte mit ihren Füßen ein quietschendes
Geräusch. Nichts. Sie räusperte sich und
versuchte dabei möglichst ekelerregend zu
klingen. Nichts tat sich. Endlich nahm sie ein
Geldstück aus ihrem Glas und knallte es auf den
Glastresen. Das war erfolgreich! ´Und war
möchtest du?´ fragte der Apotheker in
gelangweiltem Ton. ´Ich unterhalte
mich gerade mit meinem Bruder aus Chicago, den
ich schon ewig nicht mehr gesehen habe´, sagte
er ohne eine Antwort auf seine Frage abzuwarten.
´Nun, ich möchte mit Ihnen über meinen Bruder
reden´, gab Tess in dem selben gelangweilten Ton
zurück. ´Er ist wirklich sehr, sehr krank ....
und ich möchte ein Wunder kaufen´. ´Wie bitte?´,
sagte der Apotheker. ´Er heißt Andrew und in
seinem Kopf wächst etwas Böses, und mein Vater
sagt, nur ein Wunder kann ihn noch retten. Was
kostet also ein Wunder?´ ´Wir verkaufen hier
keine Wunder, kleines Mädchen. Es tut mir leid,
aber ich kann dir nicht helfen´, sagte der
Apotheker mit etwas freundlicherer Stimme.
´Hören Sie, ich habe Geld, um es zu bezahlen.
Und wenn es nicht genug ist, werde ich den Rest
noch holen. Sagen sie mir nur,
wie viel es kostet.´
Der Bruder des Apothekers war ein gut
angezogener Mann. Er beugte sich runter und
fragte das kleine Mädchen: ´Was für ein Wunder
braucht dein Bruder denn?´ ´Ich weiß nicht´,
antwortete Tess und ihre Augen füllten sich mit
Tränen. ´Ich weiß nur, dass er wirklich sehr
krank ist und Mommy sagt, er brauche eine
Operation. Aber mein Daddy kann sie nicht
bezahlen, also möchte ich mein Geld dafür
nehmen.´ Wie viel hast du?´, fragte der Mann aus
Chicago. ´Einen Doller und elf Cents´,
antwortete Tess kaum hörbar. ´Und das ist alles
Geld, was ich habe, aber ich kann mehr holen,
wenn ich es muss.´
Nun, was für ein Zufall´, lächelte der Mann.
´Ein Dollar und elf Cents - genau der Preis für
ein Wunder für kleine Brüder.´ Er nahm ihr Geld
in eine Hand und mit der anderen Hand ergriff er
die ihre und sagte: ´Zeige mir wo du wohnst. Ich
möchte Deinen Bruder sehen und deine Eltern
treffen. Wir wollen mal sehen, ob ich das Wunder
habe, das du brauchst.´
Diese gutangezogene Mann war Dr. Carlton
Armstrong, ein Chirurg, spezialisiert auf
Neuro-Chirurgie. Die Operation wurde kostenlos
durchgeführt, und es dauerte nicht lange, da war
Andrew wieder zu Hause und es ging ihm gut.
Mom und Dad erzählten glücklich von den
Ereignissen, die sich so gut gefügt hatten.
´Diese Operation´, flüsterte ihre Mom, ´sie war
ein wirkliches Wunder. Ich würde gern wissen,
was sie wohl gekostet hat.´
Tess lächelte. Sie wusste genau, wie viel ein
Wunder kostet ... ein Dollar und elf Cents ...
und der Glaube eines kleinen Kindes.
Ein Wunder ist nicht die Aufhebung eines
Naturgesetzes, sondern die Umsetzung eines
höheren Gesetzes ...
Übersetzung von Claudia Christine
www.gesprächemitgott.de
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Himmel oder Hölle |
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Ein
mächtiger Samurai beschloss, eine spirituelle
Bildung zu vertiefen. So machte er sich auf,
einen berühmten buddhistischen Mönch zu suchen,
der als Einsiedler hoch in den Bergen lebte.
Als er ihn gefunden hatte, forderte er: "Lehre
mich, was Himmel und Hölle sind!"
Der alte Mönch sah langsam zu dem Samurai auf,
der über ihn stand, und musterte ihn von Kopf
bis Fuß. "Dich lehren?" kicherte er. "Du musst
sehr dumm sein, wenn du denkst, ich könnte einen
wie dich etwas lehren. Schau dich an, du bist
unrasiert, du stinkst, und die Schwert ist
wahrscheinlich verrostet."
Der Samurai geriet in Wut. Sein Gesicht wurde
rot vor Zorn, als er sein Schwert zog, um dem
lächerlichen Mönch, der da vor ihm saß, den Kopf
abzuschlagen.
"Das", sagte der Mönch ruhig, "ist die Hölle."
Der Samurai ließ sein Schwert fallen. Erst
überkam ihn Reue, dann tiefe Zuneigung zu dem
alten Mann.
Das dieser Mönch sein Leben riskiert hatte, um
einen völlig Fremden etwas zu lehren, erfüllte
sein Herz mit Liebe und Mitgefühl. Tränen
stiegen in seine Augen.
"Und das", sagte der Mönch, "ist der Himmel."
Für diese Geschichte kenne ich leider die Quelle
nicht.
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Mittagessen mit
Gott |
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Es war
einmal ein kleiner Junge, der unbedingt Gott
treffen wollte. Er was sich darüber bewusst,
dass der Weg zu dem Ort, an dem Gott lebte, ein
sehr langer war. Also packte er sich einen
Rucksack voll mit einigen Coladosen und mehreren
Schokoladenriegeln und machte sich auf die
Reise.
Er lief eine ganze Weile und kam in einen Park.
Dort sah er eine alte Frau, die auf einer Bank
saß und den Tauben zuschaute, die vor ihr nach
Futter auf dem Boden suchten. Der kleine Junge
setzte sich zu der Frau auf die Bank und öffnete
seinen Rucksack. Er wollte sich gerade eine Cola
herausholen, als er den hungrigen Blick der
alten Frau sah. Also griff er zu einem
Schokoriegel und reicht in der Frau.
Dankbar nahm sie die Süßigkeit und lächelte ihn
an. Und es war ein wundervolles Lächeln! Der
kleine Junge wollte dieses Lächeln noch einmal
sehen und bot ihr auch eine Cola an. Und sie
nahm die Cola und lächelte wieder - noch
strahlender als zuvor. Der kleine Junge war
selig.
Die beiden saßen den ganzen Nachmittag lang auf
der Bank im Park, aßen Schokoriegel und tranken
Cola - aber sprachen kein Wort.
Als es dunkel wurde, spürte der Junge, wie müde
er war und er beschloss, zurück nach Hause zu
gehen. Nach eineigen Schritten hielt er inne und
drehte sich um. Er ging zurück zu der Frau und
umarmte sie.
Die alte Frau schenkte ihm dafür ihr
allerschönstes Lächeln.
Zu Hause sah seine Mutter die Freude auf seinem
Gesicht und fragte: "Was hast du denn heute
Schönes gemacht, dass du so fröhlich
aussiehst?"
Und der kleine Junge antwortete: "Ich habe mit
Gott zu Mittag gegessen - und sie hat ein
wundevolles Lächeln!"
Auch die alte Frau war nach Hause gegangen, wo
ihr Sohn schon auf sie wartete. Auch er fragte
sie warum sie so fröhlich aussieht.
Und sie antwortete: "Ich habe mit Gott zu Mittag
gegessen - und er ist viel jünger, als ich
gedacht habe."
Verfasser/In leider unbekannt (wurde mir
zugesandt)
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Der Fischer |
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von
Heinrich Böll
In einem Hafen an der westlichen Küste Europas
liegt ein ärmlich gekleideter Mann in seinem
Fischerboot und träumt. Ein schick angezogener
Tourist legt eben einen neuen Farbfilm in seinen
Fotoapparat, um das idyllische Bild zu
fotografieren: blauer Himmel, grüne See,
schwarzes Boot, rote Fischermütze. Klick. Noch
einmal: klick. Das Geräusch weckt den träumenden
Fischer, der sich schläfrig aufrichtet,
schläfrig nach seiner Zigarettenschachtel
angelt, aber bevor er sie gefunden hat, hält ihm
schon der neugierige Tourist eine Schachtel vor
die Nase.
"Sie werden heute einen guten Fang machen."
Kopfschütteln des Fischers.
"Aber man hat mir gesagt, dass das Wetter
günstig ist."
Kopfnicken des Fischers.
"Sie werden also nicht ausfahren?"
Kopfschütteln des Fischers, steigende Nervosität
des Touristen. Gewiss liegt ihm das Wohl des
ärmlich gekleideten Menschen am Herzen.
"Oh, Sie fühlen sich nicht wohl?"
Endlich beginnt der Fischer zu sprechen: "Ich
fühle mich großartig", sagt er. "Ich habe mich
nie besser gefühlt." Er steht auf, reckt sich,
als wollte er demonstrieren, wie athletisch er
gebaut ist. "Ich fühle mich fantastisch."
Der Gesichtausdruck des Touristen wird immer
unglücklicher, er kann die Frage nicht mehr
unterdrücken.
"Aber warum fahren Sie dann nicht aus?"
Die Antwort kommt schnell und kurz: "Weil ich
heute morgen schon ausgefahren bin!"
"War der Fang gut?"
"Er war so gut, daß ich nicht noch einmal
auszufahren brauche, ich habe vier Hummer in
meinen Körben gehabt, fast zwei Dutzend Makrelen
gefangen ... ."
Der Fischer, endlich erwacht, klopft dem
Touristen beruhigend auf die Schultern. "Ich
habe sogar für morgen und übermorgen genug",
sagt er.
"Rauchen Sie eine von meinen Zigaretten?"
"Ja, danke."
"Ich will mich ja nicht um Ihre persönlichen
Angelegenheiten kümmern", sagt der Tourist,
"aber stellen Sie sich mal vor, Sie führen heute
ein zweites, ein drittes, vielleicht sogar ein
viertes Mal aus und Sie würden drei, vier, fünf
vielleicht sogar zehn Dutzend Makrelen fangen
... ."
Der Fischer schüttelte den Kopf.
"Sie würden sich in spätestens einem Jahr einen
Motor kaufen können, in zwei Jahren ein zweites
Boot, in drei oder vier Jahren könnten Sie
vielleicht einen kleinen Kutter haben, mit zwei
Booten und dem Kutter würden Sie natürlich viel
mehr fangen, eines Tages würden Sie zwei Kutter
haben, Sie würden ...", er begeisterte sich so
sehr, dass er kaum weitersprechen kann. "Sie
würden ein kleines Kühlhaus bauen, später eine
Konservenfabrik, mit einem Hubschrauber
rundfliegen, den Weg der Fischschwärme von oben
erkennen und es Ihren Kuttern per Funk
mitteilen! Sie könnten ein Fischrestaurant
eröffnen, den Hummer direkt nach Paris
exportieren und dann ...", wieder kann er kaum
weitersprechen, kopfschüttelnd, im tiefsten
Herzen betrübt, blickt er auf das Meer, in dem
die ungefangenen Fische munter springen. "Und
dann", sagte er, aber wieder verschlägt ihm die
Erregung die Sprache.
Der Fischer klopft ihm beruhigend auf den
Rücken. "Was dann?", fragt er leise.
"Dann", sagt der Fremde mit stiller
Begeisterung, "dann könnten Sie ruhig hier im
Hafen sitzen, in der Sonne liegen und auf das
herrliche Meer blicken."
"Aber das tu ich ja jetzt", sagt der Fischer,
"ich sitze beruhigt am Hafen und träume, nur Ihr
Klicken hat mich dabei gestört."
Tatsächlich ging der Tourist nachdenklich fort.
Früher hatte er auch einmal geglaubt, er
arbeite, um eines Tages nicht mehr arbeiten zu
müssen, und es blieb kein Rest von Mitleid mit
dem ärmlich gekleideten Fischer in ihm zurück, -
nur ein wenig Neid.
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Der Blitz |
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Ein
Bischof stand an einem gewittrigen Tag in seiner
Kathedrale. Da kam eine Heidin trat vor ihn und
sprach: "Ich bin keine Christin. Gibt es für
mich eine Rettung vor dem Feuer der Hölle?"
Der Bischof sah die Frau an und antwortete:
"Nein, Rettung gibt es nur für die, welche
getauft sind." Im Augenblick, da er dies sprach,
fuhr ein Blitzstrahl vom Himmel hernieder,
gefolgt von einem fürchterlichen Donner, schlug
in die Kathedrale ein und entfachte eine
Feuersbrunst.
Die Menschen aus der Stadt kamen gelaufen und
retten die Frau; doch den Bischoff verzehrten
die Flammen.
von Khalin Gibran
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